Bremer Roland und Rathaus

“Sowas macht man nicht!” – tausche Hafen gegen Stadtteil

Die Geschichte fing vor über 40 Jahren an: Weil die stadtbremischen Häfen auf der rechten Weserseite nicht auf Containerumschlag umgerüstet werden konnten, wurde der Neustädter Hafen gebaut. Als er fertig war, staunten die Verantwortlichen nicht schlecht: Wie viele LKWs er anzog – so eine Überraschung! Damit die Neustadt nicht endlos in Stau und Mief versinkt, musste also eine Autobahn her. Nach Jahrzehnten der Planung stieß man auf ein blödes Hindernis: Der Großmarkt beim Flughafen lag mitten im Weg! Wohin damit? Dorthin, wo inzwischen viel Platz war: Im alten Hafen, wo nichts mehr los war. Aber ach, da ist ja soviel Wasser, da kriegt man keinen kompakten Grundriss für einen neuen Großmarkt hin. Nun, den Überseehafen kann man ja zuschütten und wenn zufällig gerade die Außenweser vertieft wird, gibts den Sand sogar gratis. “Sowas macht man nicht!” war in Bremen zu hören, die Chance, die vielen Wasserflächen städtebaulich reizvoll zu nutzen, sollte nicht vertan werden. Aber das focht den damals verantwortlichen Hafensenator, SPD-Urbeton Beckmeyer, gar nicht an. Wohnen am Wasser übersetzte er mit Wohnen für Reiche, die ihre Yacht vor der Haustür liegen haben wollen und dafür war er nicht zu haben. Also verschwand ein Kapitel Bremer Geschichte unter Sand und ein Großmarkt (der mit einem länglichen Grundriss genau so gut klarkäme) steht als gesichtsloser Stehimweg mitten im Zentrum des Geländes eines zukünftigen Stadtteils. Souverän drückt er den Speicher IX an die Seite. Dieser konnte vor dem Abriss gerettet werden, weil der Bremer Bauunternehmer, Kommunist und Mäzen Hübotter die geniale Idee hatte aus dem alten Hafenspeicher das Domzil für die Hochschule für Künste und für ein Hafenmuseum zu machen.

Hafenimpressionen

Was aber ringsum dominiert, ist, ganz anders als es die optimistischen Modelle der Betreibergesellschaft heraufbeschwören, die Leere, in der sich neu gebaute oder renovierte Bürogebäude verlieren. Soviel Leere, dass inzwischen eine Agentur für Zwischennutzungen wie z.B. Beachvolleyball-Anlagen aus der Taufe gehoben wurde. Es ist ja auch nicht leicht, 300 Hektar zu bespielen, besonders wenn am Anfang kein städtebaulicher Gesamtplan stand – und das beim derzeit angeblich größten städtebaulichen Projekt Europas. So verwundert es nicht, dass inzwischen doch vorgesehen ist, Wohnungen zu bauen und auch der Yachthafen beschlossene Sache ist.

weser_tower_copyright_archimation

Was heute schon sichtbar wächst, ist der “Weser-Tower” gleich hinter der Stephanibrücke (wer’s nicht glaubt: http://www.brekom.de/wesertower-webcam.html). Für die Fassade hat der Stararchitekt Helmut Jahn aus den USA eine riesige Projektionsfläche vorgesehen. Ob sie mehr wird als eine gigantische Reklametafel für den Hauptmieter EWE AG, wird sich zeigen, wortwörtlich.

Ueberseestadt Holzhafen

Und ob zwischen diesem höchsten Bürohaus Bremens und dem ehrwürdigen Koloss der ehemaligen Getreide-Anlage drei Kilometer weiter tatsächlich “eine Stadt für das 21. Jahrhundert” (Eigenwerbung der Überseestadt GmbH) zusammenwächst und wie eine solche eigentlich aussehen könnte und sollte – darüber kann man trefflich bei einem Glas Wein beim Italiener in der alten Feuerwache am Holzhafen sinnieren. Wenn dabei gerade die Sonne über der Industriekulisse des noch betriebenen Hafenbeckens untergeht, hat man einen der schönsten Momente erwischt, die Bremen zu bieten hat.

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Bremen für Fortgeschrittene – 9.9.2016, Fr., 14.00 – 16.00 Uhr Treff: Stadtmusikanten, €7 (€5)
Abenteuer Dom – Fr., 16.9.2016, Sa, 15.00 – 17.00 Uhr Treff: Neptunbrunnen, Domshof, €...
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Die Hafenwanderung

Durch Häfen zu wandern ist immer spannend, aber davon soll hier nicht die Rede sein. Häfen können selbst wandern,...
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